Montag, 30. Juni 2014

Grandioser Vortrag im Gartensaal

Prof. Dr. Hans Stimmann bei seinem Vortrag im Gartensaal
des Schlösschens im Hofgarten. -- Foto: Friedrich Lehmkühler
Mit dem ehemaligen Lübecker Bausenator und Berliner Senatsbaudirektor Prof. Dr. Hans Stimmann (73) als Referenten ist dem Museum Schlösschen im Hofgarten ein großer Wurf gelungen. Sein gestriger Vortrag »Von Zilles Klischee der Berliner Altstadt über die Hauptatadt der DDR zur aktuellen Suche nach der Stadtmitte« fand im Rahmen der laufenden Ausstellung »In's Thal der Franken möcht ich fahr'n – Heinrich Zille zu Gast im Hofgartenschlösschen« statt.

Der Architekt und Hochschullehrer Hans Stimmann arbeitete durch Vergleiche mit seiner Heimatstadt Lübeck, die sich sofort nach dem Krieg für einen Wiederaufbau der zerstörten Altstadt entschieden hatte, und Hinweise auf Einflüsse der West-Berliner Partnerstadt Los Angeles und der russischen Hauptstadt Moskau als zweier Vorbilder von Planern auf mitreißende Weise das Spannungsfeld heraus, in dem sich die Berliner Stadtplanung vor und nach der Wende wiederfand.

Die Mitte des alten Berlin hatte nach 1945 zum Ostteil der Hauptstadt gehört und ihr Heil in großflächigem Abräumen der gewachsenen Strukturen und Neuplanung in monumentalen Maßstäben gesucht. In entscheidenden Jahren nach der Wende hatte Stimmann im Widerstreit der Meinungen an vorderster Front unter anderem mit dafür gesorgt, dass Berlins Mitte bis jetzt frei von Wolkenkratzern geblieben ist.

Stimmanns Kampf für eine maßstäblich angemessene Neuerfindung der alten Mitte entspringt einer Überzeugung, die die Strukturen der alten europäischen Städte nicht als Ausdruck überwundener Herrschaftsformen versteht, sondern als identitätsstiftenden Bezugspunkt auch für die Menschen von heute. Heinrich Zille, Auslöser von Ausstellung und Vortrag, hatte seine Fotografien und Zeichnungen aus engen und verwinkelten Gassen der Berliner Altstadt noch als soziale Anklage verstanden. Der Umgang von Städten wie Lübeck und Wertheim mit ihrem mittelalterlichen Erbe hat andere Grundlagen und Ansätze.

Stimmanns grandioser Vortrag, der gut ein paar mehr als die rund 50 Zuhörer vertragen hätte – vielleicht auch Baufachleute aus Gemeinderat und Stadtverwaltung –, ermutigte alle, denen die dem Menschen angemessenen Proportionen unserer alten Städte mehr sind als Manövriermasse für Technokraten. (Lk)

Dienstag, 6. Mai 2014

August Gaul begleitet Zille

Begleitet werden die Arbeiten Heinrich Zilles in unserer am 23. Mai beginnenden Ausstellung »In's Thal der Franken möcht ich fahr'n – Heinrich Zille zu Gast im Hofgartenschlösschen« von zahlreichen Plastiken seines Freundes, des Bildhauers August Gaul (1869–1921), der besonders für seine faszinierenden Tierplastiken bekannt ist.

Zusammen mit dem aus der Nähe von Hanau stammenden August Gaul war Zille auch in Franken unterwegs – vielleicht Anlass für die Zeichnung, die sich in unserem Museum befindet. Sie gab der diesjährigen Sonderausstellung den Namen.

Außer weiteren Objekten der Stiftung werden Leihgaben aus einer privaten Berliner Sammlung gezeigt. Die Objekte von August Gaul stammen aus der Sammlung Wolfgang Schuller sowie der Einrichtung Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau. Begleitende Vorträge werden im Juni und Juli angeboten. Weitere Informationen gibt es auch unter  www.schloesschen-wertheim.de.

Beide Ausstellungen werden bis 3. August zu sehen sein. Dann endet in diesem Jahr die Saison wegen unaufschiebbarer Reparaturarbeiten am Schlösschen. 

August Gaul (1869–1921), Kämpfende Widder, Bronze, undatiert

Freitag, 2. Mai 2014

Heinrich Zille im Schlösschen

Heinrich Zille (1858–1929), Drei Kinder, Pastell, undatiert

Ab 23. Mai werden unter dem Titel »In's Thal der Franken möcht ich fahr'n – Heinrich Zille zu Gast im Hofgartenschlösschen«, Arbeiten aus dem Gesamtwerk von Heinrich Zille gezeigt.  »Zille sein Milljöh« – diese Bezeichnung ist gleichsam Synonym für die Kunst von Heinrich Zille (1858–1929) geworden. Er hat das Leben der proletarischen Welt Berlins, die Arbeiterviertel und die Hinterhöfe der Mietskasernen für sich als Sujet entdeckt. Doch dies ist nur die eine Seite seines Werkes. Die Ausstellung zeigt den »ganzen« Zille.

Natürlich werden seine Grafiken gezeigt – Zille ist ein hervorragender Zeichner, der mit wenigen Strichen Situationen festhält. Er ist ein genauer Beobachter seiner Berliner und hält oft schonungslos bestimmten gesellschaftlichen Kreisen den Spiegel vor, weshalb er auch große Anfeindungen erleben musste. Neben den Zeichnungen und der Druckgrafik sind auch weniger bekannte fotografische Arbeiten in der Sonderausstellung zu entdecken.

Das Museum Schlösschen im Hofgarten ist bekannt für seine Sammlung zur Berliner Secession. Auch Zille trat schon 1903 der Künstlergruppe bei. Sein enger Freund Max Liebermann setzte zudem seine Aufnahme in die preußische Akademie der Künste gegen die Stimmen der konservativen Mitglieder durch.

Samstag, 12. April 2014

Parkstiftung spendet für Park

Die Pflege des vier Hektar großen Parks rund um das Schlösschen im Hofgarten fördert die Parkstiftung seit Jahren, die von Eva Walter-Paczkowski und ihrer Familie ins Leben gerufen worden ist und getragen wird. Jetzt ging die bescheidene Stifterin beim Gutes-Tun erstmals an die Öffentlichkeit und überreichte der Stiftung Schlösschen im Hofgarten als Eigentümerin des Parks und seiner Gebäude im Rahmen eines kleinen Festaktes eine weitere Spende von 20'000 Euro.

Der Grund für den Sinneswandel: Frau Walter-Paczkowski möchte den Bürgern zeigen, dass nicht nur öffentliches, sondern auch sehr viel privates Geld in Unterhaltung und Betrieb des Museums und seiner Umgebung steckt.

Ihr gefällt besonders die Tatsache, dass schon der Erbauer des Schlösschens, Graf Friedrich Ludwig, und sein Nachfolger, Fürst Georg, im 18. und 19. Jahrhundert den Garten den Bürgern Wertheims geöffnet haben, um den Städtern ein erquickendes Naherholungsgebiet zu bieten.

Für den Vorstand der mit der Spende bedachten Stiftung nahmen Helmut Schöler, Stefan Mikulicz und Wolfgang Stein den Scheck mit Dank entgegen.

Spendenübergabe: Eva Walter-Paczkowski mit den Mitgliedern des Stiftungsvorstandes (von links) Stefan Mikulicz, Wolfgang Stein und Helmut Schöler. -- Foto: Peter Riffenach

Montag, 31. März 2014

Heiterer Saisonauftakt

Förderkreisvorsitzender Heiko Albrecht bei der Begrüßungsansprache
im Gartensaal des Schlösschens -- Foto: Friedrich Lehmkühler
Sonniges Frühlingswetter sorgte im lichtdurchfluteten Gartensaal des Schlösschens am Sonntag bei der Matinée zur Saisoneröffnung für eine heitere Stimmung. Etwa 70 Mitglieder und Gäste des Förderkreises Schlösschen im Hofgarten waren gekommen, um den Auftakt der Präsentation der von auswärtigen Ausstellungen heimgekehrten Bilder sowie durch Stiftung oder Dauerausleihe hinzugekommener Werke mitzuerleben.

Nach Grußworten des Förderkreisvorsitzenden, Heiko Albrecht, und des Vorsitzenden der Stiftung Schlösschen im Hofgarten, Oberbürgermeister Stefan Mikulicz, führte Museumsdirektor Dr. Jörg Paczkowski vor allem in die Neuerwerbungen ein und dankte unter großem Applaus der Versammlung den Gästen, die die Neuerwerbungen des Museums durch ihre Großzügigkeit ermöglicht hatten. Ein Rundgang durchs Haus und ein Sektempfang schlossen die Veranstaltung ab.

Helmut Schöler, Ehrenbürger der Stadt Wertheim und Ehrenvorsitzender des Förderkreises, musste an diesem Sonntag, der zufällig auf seinen Geburtstag gefallen war, viele Hände schütteln.

Blick in die Mitglieder- und Gästeschar bei der Matinée zur Saisoneröffnung
im Gartensaal des Schlösschens -- Foto: Friedrich Lehmkühler

Donnerstag, 27. März 2014

Max Kruses Siegesbote

Für das Museum Schlösschen im Hofgarten beginnt am Samstag, 29. März, um 14 Uhr die neue Saison. Zum Start wird ein Querschnitt durch die von Wolfgang Schuller gestiftete Sammlung zur Berliner Secession gezeigt. Durch weitere Stiftungen und Leihgaben neu dazu gekommen sind mehrere Gemälde, unter anderem von Wilhelm Trübner (1851–1917), sowie französisches Porzellan und eine Bronze des Bildhauers Max Kruse (1854–1942), des Ehemanns der Puppenmacherin Käthe Kruse und Mitglieds der Berliner Secession. Das Original dieser Skulptur befindet sich in der Alten Nationalgalerie in Berlin, Kopien unter anderem im Berliner Theater des Westens und nun im Schlösschen im Hofgarten.

Für die Mitglieder des Förderkreises Schlösschen im Hofgarten findet eine Matinée am Sonntag, 30. März, um 11.15 Uhr statt.


Max Kruse, Der Siegesbote von Marathon, Bronze, 1881 -- Foto: Kurt Bauer

Matinée und Picknick

Eine schöne Ergänzung des Jahresprogramms meldet das Museum Schlösschen im Hofgarten. In einer Matinée wird am Sonntag, 29. Juni, um 11.15 Uhr Prof. Dr.-Ing. Hans Stimmann anlässlich der Heinrich-Zille-Ausstellung einen Vortrag über die städtebauliche Entwicklung Berlins seit Zille halten. Stimmann war bis 2006 Senatsbaudirektor in der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen in Berlin. Er prägte damit das Baugeschehen in der Stadt. Sein Ansatz, sich am historischen Stadtgrundriss und an der lokalen Bautypolgie zu orientieren, hat sowohl sehr viele Befürworter gehabt (»Enge Vorgaben sind wichtig«) als auch leidenschaftliche Gegner, die darin eine Gängelung des Architekten sehen.

Stimmann ist Professor am Institut für Stadtbaukunst der Technischen Universität Dortmund, gehört vielen Jurys an, unter anderem mit Daniel Liebeskind für ein Bauvorhaben in Danzig und gegenwärtig in Moskau für einen Bebauungsplan von 13'000 Hektar. Er pflegt enge Beziehungen zu polnischen Städten und Architekten.

Im Anschluss an die Matinée findet das bereits angekündigte Picknick im Park des Schlösschens statt.