Montag, 4. November 2019

Kunstreise nach Oberbayern ein voller Erfolg

Mitglieder der Volkshochschule Wertheim und des Förderkreises „Schlösschen im Hofgarten“ fuhren im Rahmen des Kunstgeschichtsseminars unter Leitung von Dr. Jörg Paczkowski nach Oberbayern. Schwerpunkt der Exkursion war die Umgebung rund um den Markt Murnau am Staffelsee. Neben dem Kennenlernen der außergewöhnlichen Architektur dieser Gegend war der Besuch von drei Museen, die in gewisser Weise einen Bezug zur Sammlung des Hofgartenschlösschens haben, Ziel der Fahrt.

„Museum der Phantasie“ in Bernried am Starnberger See
Das Spektrum der Besichtigungen reichte von der einzigen komplett erhaltenen romanischen Kirche Oberbayerns  in Altenstadt über die gotische Kirche des ehemaligen Klosters Rottenbuch, die im 18. Jahrhundert barockisiert worden war, bis zu dem bedeutenden, heute noch vollständig erhaltenen Kloster Benediktbeuern. In dieser Anlage beeindruckte besonders der sogenannte „Alte Festsaal“, der mit seinen zahlreichen Deckengemälden die große Bedeutung des christlichen Glaubens thematisiert.

Auch das legendäre Kloster Wessobrunn war Station der Fahrt. Der Sage nach eine Gründung des Herzogs Tassilo, war das Kloster Ursprung einer der bedeutendsten Stuckatorenschulen Deutschlands, die u.a. bis nach St. Petersburg ausstrahlte. Höhepunkt der Exkursion war der Besuch der faszinierenden Rokokokirche „Die Wies“, deren Gestaltung und Architektur fragen lässt, wie dieses filigrane Bauwerk statisch überhaupt entstehen konnte. Das aufwändige Bildprogramm um das Gnadenbild „Zum gegeißelten Heiland auf der Wies“ betont die Herrlichkeit Gottes in der Zuversicht, dass Christus die Welt heimholen wird. Die Lichtführung in der Kirche beeindruckte besonders: durch das wandernde und kreisende Licht wird die Sonne als Bauelement gleichsam in die Architektur einbezogen.

Blick auf die Stadtsilhouette Murnaus
Besichtigt wurde während der viertätigen Exkursion darüber hinaus die Gemeinde Murnau mit ihrer ungewöhnlichen Stadtkirche. Sie wurde unter dem Einfluss eines Verwandten von August Moosbrugger (dieser war u.a. Erbauer der Venantiuskirche in Wertheim) im 18. Jahrhundert errichtet.  Von dem Wohnhaus der Malerin Gabriele Münter war die Ansicht der Stadt mit Kirchturm und Schloss besonders eindrücklich zu bestaunen.

Immer wieder weilten die expressiven Künstler um Gabriele Münter, Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin Anfang des 20. Jahrhunderts in Murnau. Sie hielten die dortige Landschaft auf ihren Bildern fest und fanden den Weg zur klassischen modernen Kunst. Durch das subjektive Empfinden der Maler verdrängte die Farbe allmählich die eigentliche Form. 
Auch im Franz-Marc-Haus in Kochel beschäftigten sich die Teilnehmer intensiv mit der klassischen Moderne und den Bildern um die Künstlervereinigung des „Blauen Reiter“. Bei einer Führung durch die Ausstellungsräume waren Originale von Franz Marc und auch Bilder seiner Zeitgenossen zu sehen, von welchen sich auch Werke im Wertheimer Hofgartenschlösschen befinden.
Deutlich wurde, wie in den Gemeinden Murnau und Kochel die Kunst um diese Maler gegenwärtig ist und, dass ihre Präsentation einen wichtigen Faktor für den Tourismus‘ darstellt.

Das Münter-Haus in Murnau
Abgerundet wurde die Kunstreise durch den Besuch des „Museums der Phantasie“ in Bernried am Starnberger See, das die ungewöhnliche Sammlung von Lothar-Günther Buchheim, beherbergt. Werke der Brücke-Maler Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Ernst Ludwig Kirchner (Sammlung Gerlinger) waren dabei ebenso zu bestaunen, wie der Kosmos des „Boot“-Schöpfers Buchheim.
Die Exkursion war der krönende Abschluss des VHS-Seminars „Kunstgeschichte am Beispiel Oberbayerns“ vom vergangenen Winter.

Fotos: Edda Behringer/Jörg Paczkowski

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