Sonntag, 7. Mai 2017

Baluschek und Brandenburg

Hans Baluschek, Winterwind, 1907 -- Vorlage: Bröhan-Museum Berlin

Die Sommer-Ausstellung 2017 unseres Museums wird am kommenden Samstag, 13. Mai, um 11 Uhr mit einer Veranstaltung eröffnet, zu der die Öffentlichkeit eingeladen ist. Die Ausstellung steht unter dem Titel »Meine Waffen: Pinsel, Kohle, Feder ... – Der sozialkritische Maler und Mitbegründer der Berliner Secession Hans Baluschek (1870–1935) und sein Künstlerfreund Martin Brandenburg (1870–1919)«.

Beide Künstler lehnten den klassischen Akademiebetrieb ab und gehörten zu den frühen Mitgliedern der Berliner Secession. Die sehr enge Freundschaft schlägt sich allerdings nicht in ihren Werken nieder. Während Baluschek in fast realistischer Manier die Arbeits- und Alltagswelt darstellt sowie die beginnende Industrialisierung zum Thema seiner Bilder macht, sind Brandenburgs Gemälde vom Symbolismus geprägt und belegen, dass er – wie es einmal heißt – sich in eine Welt des Phantastischen zurückgezogen hat.

Das Bröhan-Museum – Berliner Landesmuseum für Jugendstil, Art Deco und Funktionalismus – besitzt eine umfangreiche Sammlung von Bildern der beiden Künstler und hat unserem Museum freundlicherweise eine Auswahl zur Verfügung gestellt, so können etwa 40 Gemälde gezeigt werden.

Das Wertheimer Museum setzt mit dieser Ausstellung seine Politik fort, Künstler umfangreich zu präsentieren, die in der ehemaligen Stiftung Wolfgang Schuller zur Berliner Secession sowie in der eigenen Sammlung vertreten sind.

Die Ausstellung wird bis zum 20. August gezeigt.

Freitag, 28. April 2017

Großer Tag für Wolfgang Schuller

Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch gratuliert Wolfgang Schuller. -- Foto: Peter Riffenach

Eine hochverdiente Ehrung wurde am gestrigen Donnerstag dem Wohltäter des Museums Schlösschen im Hofgarten, Wolfgang Schuller (91), zuteil. Wegen Schullers großer Verdienste um das Wertheimer Kulturleben durch großzügige Zuwendungen ebenso wie durch unermüdliche Ehrenamtsarbeit hatte der Bundespräsident ihm das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen, das jetzt von Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch im Rahmen einer Feierstunde im Gartensaal des Schlösschens überreicht wurde.

Die Staatssekretärin würdigte in ihrer Rede Schullers segensreiches Wirken unter anderem für das Wertheimer Grafschaftsmuseum, das Glasmuseum Wertheim und das Museum Schlösschen im Hofgarten. Wie nach ihr auch der Förderkreis-Ehrenvorsitzende und langjährige Schuller-Freund Helmut Schöler betonte sie die Großzügigkeit des Mäzens, der allein dem Schlösschen rund sechs Dutzend Bilder von Künstlern der Berliner Secession überlassen hat und damit wesentlichen Anteil an dem erfolgreichen Nutzungskonzept für die Rettung des Schlösschens durch Wertheimer Bürger hat. In bewegten Worten dankte der Geehrte allen Beteiligten und den teilnemenden Gästen für die gelungene und würdige Veranstaltung.

Fedra Blido am Flügel besorgte die facettenreiche musikalische Begleitung mit Stücken von Bach, Siloti, Schumann und Mendelssohn-Bartholdy. 


Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Wertheim (von links): Förderkreis-
Ehrenvorsitzender Helmut Schöler, Christian Modersohns Schwiegersohn
Reiner Noeres, seine Frau Antje Modersohn, Prinz Georg Friedrich von Preußen,
der Chef des Hauses Hohenzollern, sowie Wolfgang Schuller, Staatssekretärin
Friedlinde Gurr-Hirsch, Bürgermeister Wolfgang Stein. -- Foto: Peter Riffenach

Donnerstag, 30. März 2017

Thema: Erich Kästners Berlin

Die Künstler (v.l.): Gabriele Müller, Martin und Antje Schneider

Erich Kästners Berlin ist das Thema einer musikalisch kommentierten Lesung mit Antje und Martin Schneider sowie der Pianistin Gabriele Müller aus Berlin. Das Konzert findet am Freitag, 7. April, um 19 Uhr im Gartensaal des Schlösschens statt.

Unter dem Motto „Aber unterkriegen lassen? Niemals!“ stellt das beliebte Ensemble Texte von Erich Kästner (1899-1974) vor und begleitet diese musikalisch. Dabei werden Klavierbearbeitungen u.a. von Bela Bartok, Michael Jary, Friedrich Hollaender sowie Johann Sebastian Bach erklingen. Einlass ist ab 18.30 Uhr. Karten zu zehn Euro sind an der Abendkasse erhältlich.

Donnerstag, 23. März 2017

Gespräch mit Heiko Albrecht: Der Fantasie sind wenig Grenzen gesetzt

Gottesdienste im Park des Schlösschens sollen auch in Zukunft zum
Jahresprogramm des Förderkreises gehöre. -- Foto: Elmar Kellner

Wenn es ein Zufall ist, dann ist es ein passender in diesen, auch lokalpolitisch, unruhigen Zeiten: "Aber unterkriegen lassen? Niemals!", heißt die nächste Veranstaltung, mit der die Saison 2017 des Schlösschens im Hofgarten quasi eröffnet wird. Geboten wird am 7. April ein literarisch-musikalisches Programm rund um Erich Kästners Berlin.

"Aber unterkriegen lassen? Niemals!" - das könnte jedoch auch als Motto über der Arbeit des Förderkreises und aller Freunde von Museum und Park stehen. Denn wenn der Rotstift droht, dann geraten mit eher weniger schöner Regelmäßigkeit diese beiden Einrichtungen ins Blickfeld.

Perspektiven erweitern


Und doch setzt Heiko Albrecht, erst jüngst für zwei Jahre wiedergewählter Vorsitzender des Förderkreises Schlösschen im Hofgarten im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten nicht darauf den Schwerpunkt. Seine Themen sind eher Kontinuität und Verlässlichkeit, Strukturen weiter aufzubauen und Perspektiven zu erweitern.

"Wertheim hat ein bestimmtes Gepräge, gerade das macht die Stadt so attraktiv", postuliert er. "Und das gilt bei weitem nicht nur mit Sicht auf Touristen, sondern vor allem auch als Wirtschaftsstandort." Die Arbeit des Förderkreises ziele deshalb auch darauf ab, "dazu beizutragen, dass man sich in Wertheim als Heimat wohlfühlen kann".

Gerade im Hinblick auf den das Schlösschen umgebenden Park verweist Albrecht auf eine lange Tradition und Historie: "Der Park ist eine Einrichtung für alle Bürger. Und als 'Bürgerpark' soll er auch erhalten und weiter gepflegt werden. Denn was wäre die Alternative? Ihn zu schließen und die Zugänge zu versperren."

Und auch das Schlösschen ist für den Vorsitzenden des Förderkreises "nicht nur ein Museum, sondern ein hoch attraktiver Treffpunkt für die unterschiedlichsten Anlässe". Hier könnten Fortbildungen stattfinden, Seminare, Empfänge, aber auch Feiern, wie beispielsweise Hochzeiten.

Das werde in der Öffentlichkeit noch nicht ausreichend so gesehen. Dabei seien der Fantasie nur wenig Grenzen gesetzt. "Okay, ein Rockkonzert wird im Schlösschen oder im Park eher nicht stattfinden können", zieht Albrecht lachend dann gleich selbst eine solche Grenze.

Mehr Sitzplätze auf der Terrasse


Die Stiftung führe die Feder, "aber der Förderkreis ist das Herz", erklärt Albrecht, wie er die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten sieht. "Da schafft ein konkreter Kreis von 15 bis 25 Personen und erbringt mit seiner Arbeit auch die immer wieder geforderten Eigenleistungen."

Zu dem von ihm so bezeichneten "Dreiklang" gehört für Heiko Albrecht neben Schlösschen und Park auch das Café "Sahnehäubchen". Seit genau vier Jahren führt Ulrike Köhler nun schon das "Tortenparadies", wie der kulinarische Reiseführer "Weiberwirtschaften Baden-Württemberg" das Café genannt hat. Und mit Köhler hat man, lobt Albrecht, die Partnerin gefunden, die man sich erhoffte.

In diesem Jahr sollen nun, in einer Art Pilotprojekt, auf der äußerst beliebten Terrasse weitere Außensitzplätze zu den schon vorhandenen hinzukommen. Damit will man dem Ziel, das nicht nur Albrecht ausgegeben hat, näherkommen und "sichtbar machen, dass im Park Leben ist", erklärt er

"Kein geschlossener Kreis"


Dazu kommt am 11. November der zweite Martinsmarkt am Schlösschen, ebenfalls mit einer gewissen Symbolik behaftet. Die Veranstaltung in Kooperation mit den örtlichen Kindergärten macht doch deutlich, "dass wir kein geschlossener Kreis sind". Weiter - und gerne noch häufiger, wenn es nach dem Vorsitzenden des Förderkreises geht - sollen Gottesdienste im Park stattfinden. Planungen laufen für den Schlosserlebnistag voraussichtlich am 18. Juni und für den Tag des offenen Denkmals am 10. September. Im Schlösschen selbst wird es auch künftig Vorträge geben sowie literarisch-musikalische Abende, wie den am 7. April, und schließlich zu den Ausstellungen passende Veranstaltungen.

Noch einmal zurück in den Park. Für den hat gerade ein ehemaliger Stadtrat vier Bäume gespendet. Passt da nicht Martin Luther dazu, in diesen, auch lokalpolitisch, unruhigen Zeiten: "Und wenn ich wüsste dass morgen die Welt unterginge . . ."

© Fränkische Nachrichten, Montag, 20.03.2017

Donnerstag, 26. Januar 2017

»Entartete Kunst« ist Vortragsthema

Dr. Benno K. Lehmann -- Foto: Friedrich Lehmkühler

»Entartete Kunst in der NS-Zeit — Exil oder innere Emigration«, so lautet der Titel eines Vortrags, den der Kunsthistoriker Dr. Benno K. Lehmann aus Mannheim am Mittwoch, 8. Februar, um 19 Uhr im Gartensaal des Schlösschens halten wird. Veranstalter ist der Förderkreis Schlösschen im Hofgarten, zu dessen Vorstand Dr. Lehmann gehört.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden die Werke zahlreicher Künstler als »entartet« diffamiert und teilweise vernichtet oder ins Ausland verkauft. Die Museen in Deutschland mussten hoch bedeutende Werke aus ihren Beständen entfernen. Höhepunkt der Künstlerverfolgung war die Ausstellung »Entartete Kunst«, die 1937 in München gezeigt wurde.

Nicht nur Künstler des Expressionismus oder des Bauhauses wurden verfolgt, sondern auch Maler aus dem Umkreis von Max Liebermann, also Impressionisten. In der Ausstellung »Liebermann bis Pechstein — Stadtansichten Berlins in der Malerei der Berliner Secession«, die gegenwärtig im Schlösschen gezeigt wird, werden auch Gemälde von Künstlern präsentiert, die dem Schönheitsideal der Nationalsozialisten nicht entsprachen oder verfemt wurden, weil sie von jüdischen Künstlern stammten.

Dr. Lehmann wird Gemälde und Künstler vorstellen und darüber berichten, was aus den Künstlern geworden ist. Viele flohen sie ins Ausland, andere bekamen Malverbot, zogen sich in die innere Emigration zurück oder kamen im KZ um.

Freitag, 30. Dezember 2016

Wohin im neuen Jahr?

Arthur Aron Segal (1875–1944), Straßenansicht in Berlin, 1912, Öl auf
Karton/Holz -- Vorlage: Stadtmuseum Berlin
Warum nicht zwischen Mittagessen und Kaffeetrinken nach Berlin? Im Museum Schlösschen im Hofgarten ist ein solcher Kurzabstecher kein Problem, denn die aktuelle Winterausstellung »Liebermann bis Pechstein — Stadtansichten Berlins in der Malerei der Berliner Secession« bietet die Möglichkeit, hochkarätige Kunstwerke im Original zu genießen und sich dabei in die Hauptstadt entführen zu lassen.

Unter den 19 Künstlern, aus deren Ateliers die ausgestellten Bilder stammen, ist auch Arthur Aron Segal (1875–1944) vertreten. Der aus Jasy in Rumänien stammende Künstler wandte sich 1889 der Malerei zu und kam 1892 nach Berlin, wo er Meisterschüler von Eugen Bracht wurde. 1895 besuchte er die Académie Julian in Paris und ging dann nach München. 1904 kehrte Segal nach Berlin zurück, beteiligte sich ab 1907 an den Ausstellungen der Berliner Secession. 1933 emigrierte er nach Mallorca und ließ sich anschließend in London nieder und gründete eine Malschule, die er 1939 nach Oxford verlegte.

Das Bild »Straßenansicht in Berlin« entstand 1912 und ist in Öl auf Karton und Holz gemalt. In Wertheim hängt es als Leihgabe des Stadtmuseums Berlin.

Ein 40-seitiges Begleitheft, das gegen eine geringe Gebühr an der Museumskasse erworben werdne kann, stellt Segal und die anderen Künstler sowie ausgewählte Ausstellungsstücke detaillierter vor.

Sonntag, 27. November 2016

Tipp für die Adventszeit

Franz Skarbina, Böhmische Kirche am Heiligen Abend, um 1903, Öl auf Leinwand,
130 cm x 99 cm, Stiftung Stadtmuseum Berlin

Ein Ausflug ins Schlösschen lohnt immer, insbesondere zu den Sonderausstellugen. Im Moment läuft »Liebermann bis Pechstein — Stadtansichten Berlins in der Malerei der Berliner Secession«.

Zu den 19 ausgestellten Künstlern gehört auch Franz Skarbina (1849—1910), der 1892 gemeinsam mit Max Liebermann und Walter Leistikow die Künstlervereinigung der XI ins Leben gerufen hat. Sie war eine Vorläuferin der Berliner Secession, zu deren Gründungsmitgliedern Skarbina 1898 gehörte.

Sein Gemälde »Böhmische Kirche am Heiligen Abend« wird beherrscht von der hier monumental erscheinenden barocken Böhmischen oder Bethlehems-Kirche der schlesischen Gemeinde. Die erwartungsfrohe Stimmung wird durch den Farbkontrast des schwachen bläulich-violetten Tageslichts und des kräftigen gelben Lichts der Kirchenfenster und durch die zu einem Punkt strebenden Menschen unterstrichen.

Die Kirche aus dem 18. Jahrhundert fiel dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer, die Ruine wurde nach dem Krieg abgerissen.

Zu diesem Bildern und ihren Malern gibt es weitere Angaben in einem 40-seitigen Begleitheft, das im Museum gegen eine geringe Schutzgebühr erworben werden kann.